Die Sonderfilmreihe *Remembering Babyn Yar on Film* wurde für das diesjährige Ukrainian Film Festival Berlin als gemeinsames Projekt des UFFB und des Instituts für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam (Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur) kuratiert.
Das Programm umfasst zwei Filme, die die komplexe filmische Erinnerung an Babyn Jar aus unterschiedlichen historischen Epochen und Kontexten beleuchten. Beide setzen sich mit grundlegenden Fragen nach der Darstellbarkeit des Holocaust und der Rolle von Zeugenschaft auseinander.
Mit Mark Donskojs Spielfilm Die Unbesiegten, auch bekannt als Die Familie Taras (Нескорені / The Unvanquished, 1945, Ukrainische SSR, Kiewer Filmstudios, 82 Min.), kehrt die Reihe zu den Anfängen der visuellen Darstellung des Holocaust zurück. Obwohl diese Adaption des Romans von Borys Horbatov die sowjetische Propagandaerzählung des Zweiten Weltkriegs in den Vordergrund stellt, thematisiert sie neben der Geschichte der Familie von Taras Jazenko auch ausdrücklich das Schicksal der jüdischen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Besatzung der Ukraine. Die Szene, in der die Ermordung ukrainischer Jüdinnen und Juden dargestellt wird, wurde häufig als eindeutiger Verweis auf das Massaker von Babyn Jar interpretiert. Zugleich wirft sie wichtige Fragen nach dem filmischen Umgang mit dem Holocaust auf.
Serhiy Bukovskys Dokumentarfilm Spell Your Name (Назви своє ім’я, 2006, Ukraine/USA, 90 Min.) gibt Überlebenden des Massakers von Babyn Jar die Möglichkeit, als Zeitzeug*innen zu sprechen. Das experimentelle Format des Films verbindet auf eindrucksvolle Weise Zeugenaussagen, die in den 1990er-Jahren von der USC Shoah Foundation aufgezeichnet wurden, mit sowjetischem Filmmaterial aus dem Zweiten Weltkrieg und zeitgenössischen Aufnahmen und schafft so eine vielschichtige Erzählstruktur. Mit hohem künstlerischem Anspruch untersucht der Film die Rolle von Archivmaterial und lotet die Möglichkeiten und Formen aus, Gräueltaten filmisch darzustellen.
Beide Filmvorführungen werden von Gesprächen mit Expertinnen begleitet: Irine Beridze (Universität Potsdam, Literatur- und Filmwissenschaftlerin), Anna Onufriienko (Kulturwissenschaftlerin, Filmhistorikerin und Kuratorin mit Schwerpunkt auf sowjetischem Kino, visueller Propaganda und filmischen Darstellungen der Donbas-Region) und Bozhena Kozakevych (Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutsch-Polnischen Hauses bei der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas).
Präsentiert in Kooperation zwischen dem Ukrainian Film Festival Berlin und dem Institut für Jüdische Studien und Religionswissenschaft der Universität Potsdam (Lehrstuhl für deutsch-jüdische Literatur).